Manchmal

 

Manchmal schaue ich ängstlich und überlege,

was könnten die Anderen denken

und merke nicht, wie Sie meine Schritte lenken.

Manchmal verbiege ich mich um Liebe zu bekommen

und bin dann vom Verbiegen ganz benommen

und sage statt Nein! laut JaJaa,

weil es für mich in dem Moment am Bequemsten war.

Manchmal klagte ich über mein früheres Leben

und heute weiß ich, wie wichtig es ist mir selbst zu vergeben.

Manchmal ist mir nicht bewußt,

dass ich bei Entscheidungen immer die Anderen frage

und statt mich liebevoll abzugrenzen

geht mein Mut mal wieder schwänzen.

 

Manchmal bin ich nicht ich

sondern irgendwer anderes.

So scheint es jedenfalls

und manche fremden Glaubenssätze stecken mir noch immer tief im H...,

Nein! sogar in Fleisch und Blut!!

es tut mir nicht immer gut.

Sie schwirren mir im Kopf ...

Doch wo mit ihnen hin??

auf dem Weg zu sein, wie ich bin??

 

Kerstin Wenzel

 

 

 

 

 


Loslassen!

Loslassen? Was und Wen?

Was halte ich fest und bleibe dabei stehn?

Kann ich gelassen bleiben und verstehn,

dass ich auch einmal warten darf

ohne ständig weiterzugehn.

Nicht Stillstand ist das sondern Reifen

irgendwann werd auch ich das begreifen.

Alles hat seine Zeit und

der Weg ist das Ziel,

ich will gern Alles und davon zuviel...

Also Loslassen von Altem!

Was lasse ich los und wieviel von alledem möcht ich behalten?

Mein Kopf brummt davon an manchen Tagen,

und es scheint besser zu sein,

mein Herz mal zu fragen.

 

 

 

 


 

 

 

Für Mama

 

 

 

 

 

Du bringst uns bei, dass leben reicht. / Das Leben ist ein bunter Blumenstrauß.

 

Du lachst in unserer Erinnerung. Du tanzt zur Musik. Gar nicht im Takt. Weil du absolut kein Taktgefühl hast. Laut war dein Lachen. Und so klar und frei. Einfach so ist es aus dir rausgebrochen.

 

Herzhaftes Lachen.

 

Deine wilden, grauen, verstrubbelten Haare verschwimmen mit deinem Gesamtbild und wir sitzen an einem Sonntagmittag im Esszimmer. Es ist Frühling und die Sonne taucht unser rot gestrichenes Esszimmer in goldene Orangetöne. Wenn gerade der eine Amy McDonald Track zum nächsten wechselt hört man draußen die Vögel in der Morgensonne zwitschern. Wir singen alle mit und lachen zwischendurch. Das Leben ist leicht. Du lachst. Immernoch. Und immer wieder. So laut und so klar durchdringt dein Lachen alle unsere Sinne. Amy McDonald im Hintergrund.

 

Du lachst. Auf dem Steinbruch. „SCHEIIIßEEEEEEEEEEEEE“, schreist du ganz laut in das Taal hinein. Stehst an der Klippe und guckst in den Abgrund. Aber eher so in den Himmel. Und dann schreist du nochmal. SCHEIIIIIßEEEEEE. Und lachst. So laut, dass es von den weißen, hohen Wänden des Steinbruchs wiederhallt. Und dann traue ich mich auch. Und alle lachen wir wieder und schreien einfach nur SCHEIIIIßEEEEEE in diese unfaire Welt hinaus.

 

Du lachst. Uns 3 Kinder an. Es ist Zeugnisausgabetag . Ab heute sind endlich Sommerferien. Du stehst grinsend vorm Kiosk vor dem Parkhaus, der Torte und winkst. Springst in die Luft und hälst ein Schild hoch, auf dem steht „Endlich Ferien“. WOHOOOO schreit es über die dicke Kreuzung bis zu uns rüber. ENDLICH FERIEEEEN. Und wir nur so oh gott mama. Peinlich sowas. Trotzdem nehmen wir dich alle in den Arm und finden es insgeheim irgendwie auch cool, so eine verrückte und ausgeflippte Mama zu haben. Du bückst dich zu uns runter und umarmst uns alle. Lachend.

 

Du bist ein zweites Zuhause, eine zweite Mama, ein Freund. Für so viele von uns. Alle waren gerne bei uns Zuhause. Jeder hat sich so wohl gefühlt. Es gab Wärmflaschen zu den Referatstreffen bei uns im Wohnzimmer. Es gab die selbstgemachte Hühnerbrühe aus dem Rezept von Oma und mit Opa Jürgens Hühnern zum Abendbrot. Und dazu den berüchtigten Tomatensalat. Es gab morgens für uns drei Kinder immer Frühstück ans Bett. Ja auch in der Woche. Ja, jeden verdammten Schultag. Mit selbstgemachtem Smoothie. Es gab Pausenbrötchen für alle unsere Freunde. Mit der super leckeren selbstgemachten Möhrenmatsche als Aufstrich. Du hattest immer ein offenes Ohr und Herz für alle. Familie, Freunde, Bekannte und Fremde haben mit dir geredet, als wärst du eine gute Freundin. Du warst verständnisvoll für die Jugend. Du hast uns verstanden, wie kaum ein Erwachsener.

 

„Du kannst ja auch schreiben, dass manche dachten oh man was für ne öko tante. Und wir fandens irgendwie cool.“ Und ja, das stimmt wohl. Du bist und bleibst für alle die Öko tante. Du hast eben immer Hippie Hosen getragen und Barfußschuhe. Und wir sind auch schon ganz gut in deine Fußstapfen getreten, denke ich.

 

Du strahlst. Auf dem grünen, alten Fahrrad mit der Sonnenblumenklingel, die bei jedem kleinen Huckel leise Rings von sich gibt. Hinterher zischte anfangs immer der rote Kinderanhänger. Zum Kindergarten, zur Grundschule, zum Einkaufen und schließlich auch uns zum Bus.

 

Du grinst. Im Garten. Weil sich gerade eine Biene in deinen Krauselhaaren verfangen hat , während du auf allen vieren kleine Sonnenblumenkerne in der Erde verteilst. Du hast die Natur geliebt und die Natur dich. Wenn dir alles zu viel wurde, bist du spatzieren gegangen, oder warst stundenlang Fahrrad fahren. Saßt in der Sonne auf unserer Bank im Garten und hast mit deiner hochsensiblen Art den Wind auf deiner Haut wahrgenommen. Hast die Vögel zwitschern gehört und den Autos, die nach einem Regentag Geräusche von Rädern auf nassem Asphalt haben hochhallen lassen zugehört. Hast den Regen auf dem Asphalt an einem Sommertag eingesogen und die Pollen der Gräser in deiner Nase kitzeln gespürt. Nahezu bedächtig hast du mit deinen Fingern die Rillen der Baumrinde nachgezogen und die mächtige Kraft der in den Himmel ragenden Bäume wahrgenommen. Die Sonne brannte auf deine Haut, die mit all ihren Narben und windgegerbten Falten Geschichten erzählen konnte, die man sonst nicht in Worte fassen kann. In der Natur bist du immer Zuhause gewesen. Bist angekommen. Du entfernst die kleine hilflose Biene aus deinen Locken und vergräbst einen weiteren Sonnenblumenkern unter einer Schicht warmer Erde und ein paar Wochen später sah eine wunderschöne Sonnenblume zum ersten Mal das Sonnenlicht.

 

Du hattest einen Sinn und Blick für Details. Kleine, persönliche Gesten durch deine unglaublich aufmerksame Beobachtungs- und Wahrnehmungsgabe deiner Umwelt zauberten jedem ein lächeln ins Gesicht. An unserer Gartenmauer hast du die kleinen Ton- und Stofftiere alle paar Tage neu geordnet, weil die Kinder in der Nachbarschaft das jedes Mal als ein neues Suchspiel begeisterte. In deiner Umgebung hatte jeder das Gefühl wahrgenommen und wertgeschätzt zu sein. Du bist ein unbeschreiblich liebenswerter und herzensguter Mensch. Du hast die emotionalen Zustände anderer wahrgenommen und analysiert, lange bevor es derjenige selbst tat. Du warst selbstlos und hilfsbereit in jeder, wirklich jeder Situation. Menschen spüren das und jeder hat sich dir dankbar geöffnet. Wenn man dir begegnet ist, oder dich umarmt hat, spürte man diese strahlende, warme Kraft und Stärke, die auf einen überschwappte. Ob man das wollte, oder nicht.

 

Kreativ warst du. Mit Ideen, die über dich kamen, wie Flutwellen. Träumen, so bunt wie ein Meer voller Wildblumen. Umsetzungen, so verrückt wie du nun mal warst. Kindergeburtstage mit einem ganzen Zimmer schulterhoch vollgestopft mit Stoh. Ein Heuboden war ja leider nicht zu organisieren gewesen, also musste Stroh her um das Zimmer in einen Heuboden zu verwandeln.

 

Eine Rutsche vom Dach unserer Garage in den Pool rein. Das Garagendach so heiß, dass einem fast die Füße verbrannt sind. Hochgekommen mit einem Tritt auf den Zaun von Krückebergs und zack hochgezogen und fix zur Rutsche und rein in den Pool.

 

Ein Esszimmertisch voller Spaghetti mit Ketchup. Drum herum etwa 8 Kinder. Die Gesichter voll mit Tomatenketchup. Die Hände und Klamotten natürlich auch.

 

Ein Piratenboot aus Paletten und Mini-Boote zum Vernaschen aus Gurken geschnitzt. Alle verkleidet als Piraten. Als Piratenschmaus gabs natürlich auch Spaghetti, die mit den Händen gegessen werden durften.

 

Dreck, Schlamm, Regen, ein Grundschulhof und zwischendrin ein bisschen helle Kinderhaut. Alle Kinder nackig mit Schlamm eingecremt lachend und tanzend auf dem Rasen des Schulhofes.

 

Kurze Nachrichten, Erinnerungen und Botschaften. Verteilt in der ganzen Wohnung lagen diese kleinen, bunten Zettelchen, die einem sofort mitteilten, wo du bist, was du machst, oder was du uns wissen lassen möchtest. Dazu meist eine Zeit, wann du wieder da bist, oder ein Vermerk auf eine Wärmflasche im Bett, oder ein fertiges Gericht auf dem Herd. Daneben ein kleiner mit Kohle gezeichneter Baum oder eine mit Kugelschreiber gemalte Spirale.

 

Du lachst. Immernoch. Und immer wieder. So laut und so klar durchdringt dein Lachen alle unsere Sinne. Amy McDonald im Hintergrund.

 

Du wirst uns ewig in Erinnerung bleiben. Als Mutter, Tochter, Lebensgefährtin, Freundin, Bekannte, Fremde.

 

 

 

Hanna Voigt( 19 Jahre )

in Gedenken an ihre Mutter